Kandidat:
Kristof Zerbe, 42

kristof.zerbe@piratenpartei-wiesbaden.de

Wo wurdest Du geboren und wo lebst Du heute?


Geboren in Wiesbaden, wohnhaft in Wiesbaden


Hast Du Kinder?


Noch nicht


Wie war Dein Werdegang?


Ich bin ausgebildeter Industriekaufmann, habe aber in dem Job nie gearbeitet, denn schon während meines Betriebswirtschaftsstudiums habe ich Kontakt zur Software-Entwicklung bekommen und damit, neben dem Taxi-Fahren, mein Studium finanziert. Als die Kundenanfragen und Aufträge immer zahlreicher wurden, habe ich beschlossen, in dieser Branche zu bleiben und alle anderen Aktivitäten einzustellen, was ich nie bereut habe. Nach langen Jahren als Freelancer bei den unterschiedlichsten Kunden, habe ich vor 6 Jahren eine interne Stelle angenommen und entwickle seitdem CRM-Software und Web-Seiten.


Was machst Du beruflich?


Ich bin Softwareentwickler aus Leidenschaft


Welche Hobbys hast Du?


Ich hatte das Glück eines meiner Hobbys zum Beruf zu machen. Es macht einen Heidenspass zum Beispiel eine neue Website entstehen zu sehen. Vom künstlerischen sowie vom technischen Aspekt. Man kann so schön das visuelle mit dem logischen verbinden. Bei einer meiner anderen Leidenschaften, dem Fotografieren, ist es das reine visuelle Gestalten, was mich reizt und erfüllt. Zu den visuellen Genüssen, gesellen sich die Geschmacklichen, die ich, natürlich in Maßen, in den unterschiedlichsten Whisky-Sorten finde, die meine "Sammlung" zu bieten hat. Für die mentale Entspannung tauche ich sehr gerne in die Vergangenheit ein, und dort vor allem in die Zeit des Mittelalters, von der der moderne Mensch einiges lernen kann. Diese Leidenschaft drückt sich auch darin aus, dass ich liebend gerne gewandet über Mittelaltermärkte schlendere, um das Gefühl der alten Zeit zu spüren, auch wenn das Vergnügen dadurch geschmälert wird, das ich keinen Met vertrage.


Seit wann bist Du bei den Piraten und hattest Du dort schon einmal ein Amt inne?


Ich habe mich im Spätsommer 2009 den Piraten angeschlossen und bin seit der Gründungsversammlung des KV Wiesbaden Beisitzer im Vorstand.


Warum bist Du Pirat?


Angefixt von meiner Kollegin Judith, kam ich irgendwann für mich selbst zu dem Schluss, dass die Zeit vorbei ist, immer nur dem munteren Treiben zuzuschauen und die Hände dabei im Schoß zu belassen. Aufreger war natürlich Zensursula und Schäuble mit ihren unsagbar dummen Versuchen die Freiheit der Bevölkerung für mehr "Sicherheit" zu beschneiden. Da ich selbst in der IT bin, kam es für mich nicht länger in Frage die Inkompetenz der regierenden stillschweigend zu akzeptieren. Bereits in der Schule hatte ich das Problem, mich immer gegen Ungerechtigkeit und Willkür auflehnen zu müssen. Das ist wie ein Zwang. Freiheit ist für mich das höchste Gut und wenn die Klügeren immer nachgeben, werden wir von den Dummen stranguliert. Das konnte ich auf keinen Fall mehr hinnehmen und bin, nach vielen Jahren der politischen Untätigkeit, erneut einer Partei beigetreten: den Piraten.

Ich sage immer gerne, dass die deutsche Piratenfarbe orange im politischen Farbenspiel genau meinen Nerv trifft. Eine Mischung aus Gelb für den freiheitlichen Gedanken der FDP (der sich leider in elitärem Gehabe verloren hat) und die sozialen Ideen der SPD.


Warst Du bereits davor politisch aktiv, als Mitglied, in einem Amt oder Mandat ?


In meiner Jugend habe ich mich der Jungen Union angeschlossen, da unsere Schule von örtlichen SPD-Granden regiert wurde und wir ein Gegengewicht bilden wollten. Mein damals schon sehr ausgeprägter Sinn für Freiheit und mein soziales Gewissen haben allerdings dazu geführt, dass ich nach einem Jahr meines Amtes als Pressesprecher des JU-Kreisverbandes Bad Schwalbach enthoben und aus der Partei geworfen wurde. Sehr in Erinnerung geblieben ist mir aus der Zeit, und dafür bin ich heute dankbar, dass selbst die Jugendorganisationen der Volksparteien zu extremen Mauscheleien neigen. Das Demokratieverständnis geht zum Teil gegen Null und der Grundsatz der Gleichheit wird nur dann angewandt, wenn es gerade passt.


Engagierst Du Dich außerhalb der Piraten noch in sozialen oder gemeinnützigen Vereinen/Stiftungen/etc.?


Nein. Man sagt, um die Welt zu verbessern, muss man bei sich selbst anfangen. Und das tue ich.


Wie stellst Du Dir die Zusammenarbeit mit anderen Parteien vor?


Grundsätzlich spielt es für mich keine Rolle welche Farbe ein Kittel hat. Die Sachfrage, das zu lösende Problem steht absolut im Vordergrund. Die Menschen für die entschieden werden soll, stehen im Vordergrund. Ist der Vorchlag der CDU besser und piratiger als der der Grünen, na gut. Allerdings habe ich mit dem selbstherrlichen Vorgehen diverser Volksparteien bereits meine Erfahrungen gemacht und jeder Versuch den Volkssouverän für dumm zu verkaufen, könnte zu allergischen Reaktionen führen. Lediglich in Bezug auf braunes Gebrabbel aus der rechten Ecke scheine ich etwas Voreingenommenheit entwickelt zu haben. Man möge mir dies verzeihen.


Wie stehst Du zur Trennung von Amt und Mandat?


Flexibilität stünde allen politischen System gut zu Gesicht. So ist eine Trennung sinnvoll, wenn sich genügend Personen finden, um die anstehende Arbeit zu bewältigen, denn alles steht und fällt mit den Aktiven. Eine Trennung zum Gesetz zu erheben finde ich nicht sinnvoll, denn wir würden uns selbst strangulieren. Wachsame Augen der Basis auf Amts- und Mandatsträger sollten helfen, Überarbeitung oder Anmaßung zu verhindern.


Worin siehst Du Deine Aufgabe als Stadtverordneter, wenn es ein bzw. mehrere Piraten ins Parlament schaffen?


Ziel meines politischen Wirkens ist zunächst einmal Information und Aufklärung derer, die regiert werden sollen. Transparenz schaffen. Sachverhalte offenlegen und die Bürger an den Prozessen zu beteiligen. Volksentscheide sind das oberste Ziel. Nein, die Masse ist nicht dumm, auch wenn es viele gerne so sehen wollen. Sicherlich können Menschen in Massen manipuliert werden, aber nur dann, wenn sie unwissend sind. Die Bildung stärken, gesellschaftliche Gräben zuschütten und auf die Stimme des Volkes hören, dass sind für mich politische Leitsätze. Auch wenn die Entscheidung für den Einzelnen noch so beschissen ist, wenn er umfassend informiert ist, wird er im Sinne der Gesellschaft stimmen.


Nenne 3 Beispiele, wo sich die Ziele der Piratenpartei in der Kommunalpolitik verfolgen lassen.


Dem auch in unserer Stadt weiter fortschreitenden Überwachungswahn muss Einhalt geboten werden. Institutionen, Firmen und Bürgern muss klargemacht werden, was die Abkehr von menschlicher Kontrolle hin zu technischer bedeutet. Den Wiesbadener Granden muss klargemacht werden, dass der Titel "Universitätsstadt" Null-Komma-Nichts wert ist, wenn 20 Millionen Euro in privaten EBS-Geldsäcken verschwinden, anstatt in die Allgemeinbildung investiert zu werden. Hassan aus der Wellritzstrasse ist vielleicht viel eher geeignet zu studieren und die Welt zu verbessern, als Torben, der Sohn eines Managers, der nur an seinen ersten Porsche denkt. Förderung darf nichst mit Stand und Geld zu tun haben. Ein wichtiger Aspekt in der Stadtentwicklung ist auch die farbigkeit der Stadt. Schlachthof und andere kulturelle Besonderheiten müssen ausgebaut und umgesetzt werden. Wie wäre es mit städtischen Internet-Brunnen auf bürgernaher Kooperationsbasis oder mit weniger großangelegten Galas und Feiern und stattdessen mit nachhaltigen Fun- und Kulturveranstaltungen, die aus dem Rahmen fallen und die Stadt auf diese Weise vom Image der versnobten Beamtenstadt befreien. So hat Wiesbaden zwar viele Partnerstädte, aber hört man etwas davon? Bekommt man deren Kultur und Lebensumstände wirklich mit, um davon zu lernen? Auf die Ideen der Bürger hören, eingehen und umsetzen, und nicht zulassen, dass sich nur einige wenige ständig beweihräuchern. Wie wäre es mit von Bürgern getragenen Studienpatenschaften für einheimische Intelligenzbestien wie Hassan? Wenn die Stadt so etwas organisiert und mitträgt entsteht ein Band zwischen den Menschen und ihrer Stadt, das mehr wert ist als so manche Champagner-Flasche zum Wohle notleidender Kinder in Sankttupfistan, die vom gespendeten Geld vielleicht 5% zu sehen bekommen, wenn überhaupt.


Für welche Themen der AG Kommunalwahl willst Du Dich besonders stark machen wollen?


Transparenz steht für mich ganz oben auf der Tagesordnung. Dazu gehört auch das Dickicht der Verordnungen ordentlich zu lichten, denn wie soll der Bürger etwas klar sehen, wenn es von einer Heerschaar von Beamten hinter tausenden von Verordnungen und Anträgen versteckt wird. Aktive Aufklärung gehört ebenfalls dazu. Ein "Das hätten Sie aber wissen müssen" lasse ich nicht gelten, denn die Stadt soll dienen und den Bürgern nicht möglichst viele Steine in den Weg legen. WIR sind die Stadt und nicht die, die sie verwalten. Und da wir die Stadt sind, sollte schleunigst etwas mehr Demokratieverständnis in die Köpfe der regierenden Einziehen. Eine gute Idee in diesem Zusammenhang ist die, dass bei 25%-iger Zustimmung im Stadtrat eine Volksabstimmung abgehalten werden muss, damit diese jahrzentelangen Mauscheleien und Schiebereien aufhören. Stuttgart-21 hätte friedlich umgesetzt werden können, wenn die Bürger WIRKLICH beteiligt worden wären und nicht eine Placebo-Veranstaltungen nach der anderen das Gefühl vermittelt hätten, dass "die da oben" eh machen was sie wollen.

Wie bereits mehrfach erwähnt muss in unserer Stadt ein neuer Bildungsgeist einziehen. Projekte wie Cmapus Klarenthal müssen weiterverfolgt und ausgebaut werden. Bildung ist der einzige Weg in die Zukunft, der nachhaltig ist. Baut auf dem Platz-der-deutschen-Einheit ein Lernzentrum. Steckt das Geld in Schulen statt in Bürogebäude, die kein Mensch braucht.


Wenn ich in Wiesbaden etwas auf Knopfdruck verändern könnte, dann würde ich...


Ich würde den Verbotswahn in Angebote und Möglichkeiten verwandeln. Was bringt es die halbe Stadt mit Parkverboten zu belegen, wenn es keine Alternativen gibt. Raubrittertum rund ums Auto führt nur zu Verdruß und Ärger. Taxipreise jenseits von Gut uns Böse sind dabei kein adäquates Mittel in Zeiten der größmöglichen Mobilität, wenn man sich vor Augen führt, dass der öffentliche Nahverkehr, also auch das Taxi, städtisches Hoheitsgebiet ist und lediglich in privates Unternehmertum ausgelagert ist. Ideen entwickeln und umsetzen...


Wenn ich mir für die Menschen in Deutschland etwas wünschen dürfte, dann würde ich mir wünschen, dass...


Ich würde mir wünschen, dass das föderale System aus Bundesrat und Bundestag, dass nach dem Krieg von den Allierten geschaffen wurde, um eine rasche politische Erstarkung Deutschlands zu verhindern, in etwas modernes, sinnvolles verwandelt wird. Schluss mit den Gremien, Ausschüssen und Kleinstaatereien. Eine gewählte Regierung soll ruhig mal etwas ausprobieren dürfen. Wie zum Beispiel eine zentrale Bildungspolitik, die das sinnfreie Einordnen von Kleinkindern und Hauptschule, Realschule und Gymnasium abschafft und den Fokus auf die tatsächlichen Talente richtet.

Ein weiterer Wunsch wäre die Flexibilisierung und Entschlackung der Verwaltung, ja des ganzen Staatswesens. Wer weiß schon, dass knapp 80% der weltweit verfügbaren Gesetzestexte und Verordnungssammlungen in deutscher Sprache geschrieben sind! Achzig Prozent!



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