Fragen an den Kandidaten?
Wir haben für Dich die Möglichkeit geschaffen dem Kandidaten online Fragen zu stellen ...
hier gehts lang.
5 Online-Fragen
Politischer Kompass
Piratengedanken
Kandidat:
Judith Seipel-Rotter,
34
judith.seipel-rotter@piratenpartei-wiesbaden.de
Wo wurdest Du geboren und wo lebst Du heute?
Geboren in Hanau, wohnhaft in Wiesbaden, Rheingauviertel
Hast Du Kinder?
Ja, eine kleine Tochter.
Wie war Dein Werdegang?
Um meine Fachhochschulreife zu komplettieren, habe ich ein einjähriges
Praktikum in einem Kinder- und Jugendhaus gemacht. Eine Erfahrung, die
ich nicht missen möchte und die in vielerlei Hinsicht sehr lehrreich
war. Ein Informatikstudium an der Fachhochschule folgte und auch die
Ausbildung zur Fachinformatikerin (Fachrichtung: Anwendungsentwicklung),
die ich 2001 erfolgreich abschloß. Seit fast zehn Jahren arbeite ich nun
in einem erfolgreichen Wiesbadener Unternehmen.
Was machst Du beruflich?
Nach Abschluß der Ausbildung arbeite ich nun seit 2001 in der internen IT eines Personaldienstleisters und betreue das dortige maßgeschneiderte CRM-System. Wartung, Pflege, Administration, Support und Programmierung für die Weiterentwicklung sind hier meine zentralen Aufgaben.
Welche Hobbys hast Du?
(Fantasy-)Rollenspiele mit Freunden, Würfeln und Knabberkram oder das
Schreiben in Foren-Rollenspielen ist wohl mein größtes Hobby. Das
Eintauchen in fremde und phantasievolle Welten. Auch trifft man mich
selten ohne Buch an. Science Fiction, Sachbücher im Bereich der
Psychologie, Angelologie, oder Politik - ich verschlinge eine Menge
Lesestoff. Mit Familie und Freunden gehe ich gern auf Mittelaltermärkte.
Seit wann bist Du bei den Piraten und hattest Du dort schon einmal ein Amt inne?
Ich bin seit Anfang des Jahres 2008 bei den Piraten, kam also ziemlich direkt nach der Hessischen Landtagswahl dazu, nachdem ich Piraten gewählt hatte. 2009 war ich Generalsekretärin im Landesverband Hessen, seit Mai dieses Jahres bin ich Beisitzerin im KV Wiesbaden.
Warum bist Du Pirat?
Die Überwachungsmaßnahmen im gesellschaftspolitischen Gesamtkontext halte ich für eine beängstigende Tendenz, der ich gern entgegentreten möchte. Privatsphäre und Datenschutz sind so wichtig und gleichzeitig so bedroht wie (fast) nie zuvor. Die Piratenpartei bietet für mich eine Fülle von Themen, die sich auf den Grundgedanken der Freiheit und des sozialen Miteinanders berufen und noch viel mehr, die aus ihm abzuleiten sind. Ich habe mit meinem Parteieintritt mein aktives politisches Engagement wieder aufgenommen, wenn auch vielleicht in etwas anderer Form als zu meinen Jugendzeiten.
In der Piratenpartei kann man einfach dazukommen und mitgestalten. Als junge und sehr basisdemokratisch organisierte Partei des Informationszeitalters gibt es viel zu tun und noch mehr Potential. Hier ist Raum für Andersdenkende abseits der festgefahrenen Meinungseinbahnstraßen anderer Parteien. Hier ist jeder selbst für seine Gedanken und sein Handeln verantwortlich. Gleichzeitig verbieten sich rassistische Ansichtsweisen allein schon aus dem Grundsatz der Freiheitsliebe, wie man im ersten Paragraphen der Satzung so schön lesen kann: „Sie [die Piratenpartei] vereinigt Piraten ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit, des Standes, der Herkunft, der ethnischen Zugehörigkeit, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung und des Bekenntnisses, die beim Aufbau und Ausbau eines demokratischen Rechtsstaates und einer modernen freiheitlichen Gesellschaftsordnung geprägt vom Geiste sozialer Gerechtigkeit mitwirken wollen. Totalitäre, diktatorische und faschistische Bestrebungen jeder Art lehnt die Piratenpartei Deutschland entschieden ab.“ Mit dieser Basis im Rücken läßt sich freidenken.
Ich bin zu dem Schluß gekommen: Auch wenn man die Welt vielleicht nicht verändern kann, so sollte man es dennoch versuchen, bevor der ungelenkte und rein innerliche Zorn nach den Nachrichten die Seele frißt und es keine Stimme mehr gibt, die mit einem NEIN die vorherrschenden oder drohenden Mißstände anprangert. Wer schweigt, stimmt zu - das gilt damals wie heute. Und fast jede Woche gibt es schon wieder den nächsten Beschluß, der mir angst macht, dem ich mich entgegenstellen möchte - und dem jeder zustimmt, der schweigt.
Warst Du bereits davor politisch aktiv, als Mitglied, in einem Amt oder Mandat ?
Sowohl meine Mutter (Psychotherapeutin) als auch mein Vater
(Rechtsanwalt) studierten noch als ich geboren wurde und waren in die
Deutsche Studentenbewegung der 1960er Jahre involviert. Mein Vater hat
sich aktiv bei der APO und den späteren Grünen engagiert bis er Ende der
1980er Jahre ausgetreten ist. Politik war in meinem Elternhaus also
stets ein wichtiges Thema und ich schätze, ich bin bei Demonstrationen
schon mitgelaufen, bevor ich wirklich laufen konnte. In der Schule war
ich aktiv bei Golfkriegsdemos und anschließenden Mahnwachen bis Anfang
der 1990er, Proteste gegen die Studienreform Mitte der 1990er Jahre.
Die Piratenpartei ist die erste und einzige Partei, in die ich jemals als Mitglied eingetreten bin.
Engagierst Du Dich außerhalb der Piraten noch in sozialen oder gemeinnützigen Vereinen/Stiftungen/etc.?
Nein. Wenn man Politik rein ehrenamtlich betreibt, dazu einen Vollzeitberuf und eine kleine Tochter hat, sind Zeit und Freunde ein wertvolles Gut. Und halbherzig würde ich mich auf nichts einlassen wollen.
Wie stellst Du Dir die Zusammenarbeit mit anderen Parteien vor?
Ich würde mich keiner anderen Fraktion anschließen, denn so können unsere Themen und Forderungen nur darin untergehen. Zusammenarbeit kann zudem nur dann möglich sein, wenn sich unsere Inhalte umsetzen lassen. Koalitionen sind nichts Böses, außer der Koalitionsvertrag enthält Vereinbarungen, die gegen unsere Ziele und Überzeugungen verstoßen. Ich halte es generell nicht für verwerflich, Kompromisse einzugehen, solange ureigene Forderungen weder verwässert noch umgekehrt werden. Eine Zusammenarbeit mit Rechtsaußen jedoch kommt für mich nicht in Frage.
Wie stehst Du zur Trennung von Amt und Mandat?
Ich bin sehr froh, daß wir die Trennung von Amt und Mandat in unserer Wiesbadener Satzung stehen haben, denn vollkommen abseits der Frage, ob die einzelne Person die Machtposition einer solchen Kumulation nun ausnutzen würde oder nicht, es hat einen schlechten Beigeschmack. Solchen Anfängen sollte man sich für die Zukunft verwehren. Außerdem glaube ich nicht, daß man beide „Jobs“ gleichzeitig genausogut machen kann, wie einen allein, auf den man sich konzentriert.
Worin siehst Du Deine Aufgabe als Stadtverordneter, wenn es ein bzw. mehrere Piraten ins Parlament schaffen?
Meine Aufgabe als Stadtverordneter besteht darin, so viele Punkte unseres Programms zur Umsetzung zu bringen, wie nur irgend möglich. Ob ein Pirat oder mehrere Piraten, keiner von uns darf sich von etablierteren Politikern einschüchtern oder entmutigen lassen. Selbstverständlich werden wir alle einen Lernprozeß durchlaufen müssen und sicherlich werden wir auch aus Unerfahrenheit Fehler machen. Aber ich glaube, in den Punkten Integrität und Inhaltstreue sind wir allen anderen voraus.
Nenne 3 Beispiele, wo sich die Ziele der Piratenpartei in der Kommunalpolitik verfolgen lassen.
Rückbau der Überwachung: Auch in Wiesbaden kann dem fortschreitenden Überwachungswahn entgegengewirkt werden. Wie viele Kameras es eigentlich gibt, die öffentlichen Raum überwachen, weiß nicht einmal der Datenschutzbeauftragte, wenn es sich nicht um stadteigene handelt.
Transparenz: Public Private Partnership-Projekte werden auch in Wiesbaden angegangen und verschleiern die Fakten, über die abgestimmt werden sollen, sogar vor jenen, die darüber abstimmen. Die Transparenz, die wir fordern, steht dem konträr gegenüber. Unsere Stimme sollte dabei helfen, dem eigentlichen Souverän - nämlich dem Bürger - wieder die Kontrolle über öffentliche Vorhaben zurückzugeben, statt sie in private Hände zu legen.
Freie Bildung: Wenn eine Bildungsstätte mit öffentlichen Geldern gefördert wird, muß sie auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Das betrifft sowohl die EBS (Der Anteil der Stadt Wiesbaden betrug hier 10 Millionen Euro) als auch private Schulen mit guten Konzepten, deren Schulgeld (z.B. Campus Schule mit 8% vom Bruttolohn der Eltern) sich jedoch nur Wohlhabende leisten können. Wenn der Zustand der öffentlichen Schulen nur noch als marode zu bezeichnen ist, muß hier Abhilfe geschaffen werden, statt Prestigeobjekte zu schaffen, die vom Bürger bezahlt aber nicht genutzt werden können. Öffentliche Projektschulen wie eine Helene-Lange-Schule können hier ein Vorbild sein.
Für welche Themen der AG Kommunalwahl willst Du Dich besonders stark machen wollen?
Eine umfassende Bildung ist der Schlüssel für Selbst- und Mitbestimmung. Nur wer nicht zu einem „Fachidioten“ ausgebildet wird, kann sich von Meinungsmache und Manipulation weitestgehend distanzieren, einen eigenen Standpunkt entwickeln und einnehmen und somit frei werden. Somit liegt mir freie Bildung sehr am Herzen.
Unsere Idee, der Stadtverordnetenversammlung die Möglichkeit an die Hand zu geben, mit 25% der Abgeordneten ein Bürgerentscheid anzustoßen, halte ich ebenfalls für richtig und wichtig. Den Bürgern muß gleichzeitig ausreichend und verständlich erläutert werden, worüber sie entscheiden. So können Projekte einer gewissen Größenordnung nicht einfach per Parlamentsmehrheit gegen den Willen der Bevölkerung „durchgedrückt“ werden, wenn sich die Opposition darüber einig ist, daß hierzu die Meinung des Bürgers eingeholt werden sollte. Demokratie und Transparenz würden automatisch gestärkt.
Wenn ich in Wiesbaden etwas auf Knopfdruck verändern könnte, dann würde ich...
- die Millionen, die in privaten Bildungseinrichtungen verschwinden, zurückholen und statt dessen in die öffentlichen Bildungseinrichtungen investieren, nachdem sie mit besseren Lernkonzepten ausgestattet wurden
- Die Kontrolle über öffentliche Infrastruktur wieder in die Hand der Bürger legen, damit Transparenz und Preislegung in diesem Bereich nicht mehr mit Gewinnmaximierung kollidieren.
Wenn ich mir für die Menschen in Deutschland etwas wünschen dürfte, dann würde ich mir wünschen, dass...
Neben umfassender Bildung für alle, die fundierte kritische Gedanken überhaupt erst möglich machen, würde ich mir wünschen, daß die Menschen bewußter leben. Wer sich seiner selbst bewußt ist mit Verstand und allen Gefühlen, die zum Mensch sein gehören (positiven wie auch negativen), der kann auch mit allen anderen Menschen um ihn herum besser umgehen. Ich würde mir wünschen, daß der Mensch und sein soziales Miteinander nicht mehr als Kostenfaktor gesehen oder auf seine Arbeitskraft reduziert wird. Ich würde mir wünschen, daß das Gedächtnis der Bevölkerung länger hält als 6 Monate.
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