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Judith Seipel-Rotter
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Pirat

Wer schweigt, stimmt zu - das gilt damals wie heute.

Piratengedanke von Judith Seipel-Rotter am 22. Dezember 2010 über ...

Frankreich rüstet auf, wir rüsten nach - und INDECT kommt näher

Über 13.000 Überwachungskameras werden in Paris bis Ende 2011 an ein gemeinsames öffentliches Netz angeschlossen. 12.600 mehr als die Hauptstadt Frankreichs bisher hat. Das sind umgerechnet 35 Kameras mehr pro Tag. Eine Kamera überwacht dann 168 Personen. Auch das Material der Videokameras des öffentlichen Nahverkehrs und privater Sicherheitsdienste - etwa in Kaufhäusern und Museen - wird ausgewertet werden.  Zudem darf das hieraus gewonnene Videomaterial nun einen Monat lang gespeichert werden. Seit Februar ist es Geschäften und Unternehmen sogar erlaubt, öffentliche Räume mit zu überwachen, was hierzulande wenigstens noch verboten ist, auch wenn es selten geahndet oder gar kontrolliert wird.

"Die Videokameras ersetzen die Polizisten nicht, aber sie werden ihre Arbeitsweise revolutionieren", sagt der Pariser Präfekt Michel Gaudin, zur Zeit werde ein Programm entwickelt, um die Auswertung der Videoaufnahmen zu erleichtern. Soweit die Zeitung 'Le Figaro'. Damit gesellt sich Paris zu Nizza, die schon von einem Big Brother-Netzwerk überwacht werden (anschaulicher Kurzbericht des Schweizer Fernsehens) und schließt zum großen Bruder London auf.

Und was will Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) pünktlich zum zehnten Geburtstag der ersten Kamera an der Konstablerwache? Eine mobile Videoüberwachung in Frankfurt einführen, berichtet der HR heute. "Es sei zudem fahrlässig, aus ideologischen Gründen nicht alle rechtsstaatlich möglichen Mittel zur Bekämpfung von Kriminalität zu akzeptieren.", wird Alexander Bauer, der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, in selbigem Artikel zitiert. Was wir gefälligst "akzeptieren" sollen, ist jedoch zur Bekämpfung von Kriminalität nachweislich vollkommen ungeeignet. Kein Verbrechen wurde wegen einer Kamera verhindert - allenfalls in nicht überwachte Regionen verlagert.

Wem der Eindruck von Polizeibeamten vor einer Videowand noch nicht genügt, die täglich 24 Stunden lang beobachten, was jeder von uns gerade tut, der möge sich vorstellen, was INDECT aus solchen Daten zaubern kann. Automatische Auswertung einer Komplettüberwachung. Wenn einem menschlichen Auge etwas entgehen sollte, was von der vorgegebenen Normalität abweicht - INDECT wird nichts entgehen. Das millionenschwere Forschungsprogramm der EU wird 2013 fertig sein und uns alle, die wir ohnehin schon unter Generalverdacht stehen, lehren, was konforme Normalität ist. Abnormales Verhalten wie z.B.:

  • fluchen auf der Straße
  • zu lange irgendwo sitzen
  • sich mit zu vielen Menschen treffen
  • Gepäck vergessen
  • in die 'falsche' Richtung gehen

weckt die Aufmerksamkeit von Drohnen, fliegenden Kameras, die mit einem für solch abnormales Verhalten sensibilisierten Programm ausgerüstet sind. Präventiv werden die biometrischen Daten aus Ausweisen genutzt, um uns zu identifizieren. Dazu kommen die Bewegungsdaten der Handyortung. Erkennen unserer Gespräche anhand von Lippenbewegungen. INDECT hat auch Zugriff auf die Daten der Bürger, die Daten im Internet (Suchmaschinen, Social Networks (Facebook, WKW etc.), Foren, Blogs, Chats...). INDECT wertet auch Bilder im Internet per Gesichtserkennung aus.

Die Informationen über INDECT stehen offiziell für alle lesbar auf der Projektseite der Europäischen Union (www.indect-project.eu).

Wer sich über INDECT informiert hat, der kann nur im höchsten Maße alarmiert sein, wenn er die fortschreitende Kameraüberwachung und Datensammlungen verfolgt. Trotzdem dürfen wir uns nicht mit Grauen abwenden - wir müssen hinsehen, uns dem entgegenstellen, was da kommt und allen Menschen klarmachen, daß es sich hier weder um Science Fiction, noch um irgendwelche Verschwörungstheorien handelt.

Klarmachen zum Ändern!

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