Der Fall Timoschenko ist derzeit eines der großen außenpolitischen Themen. Nicht nur von Politikern, auch aus dem Sport kommen allerlei Forderungen zur Freilassung der ehemaligen Regierungschefin. Idealerweise soll sie nach Deutschland ausreisen dürfen, damit ihr Bandscheibenvorfall behandelt werden kann. Und hier beginnt das Problem:
Julia Timoschenko ist nicht die Ukraine. Sie wurde in einem Schauprozess verurteilt, mit Sicherheit ist sie allerdings auch kein Unschuldslamm. Trotzdem ist sie eine politische Gefangene - nur eine von vielen. Was passiert im Falle einer Freilassung? Anzunehmen, damit sei das politische Problem gelöst, ist ignorant. Auch wenn Timoschenko die bekannteste Gefangene ist, bleibt die Ukraine ein Unrechtsstaat. Unter Wiktor Janukowitsch entwickelt sich die Ukraine immer mehr zu einem Polizeistaat. Die Probleme bleiben, auch ohne Timoschenko. Die Darstellung in den Medien und die allgemeinen Forderungen beziehen sich aber nur auf sie als Person, jedoch nicht auf die allgemeine gegenwärtige Situation in der Ukraine. Das Problem auf sie zu reduzieren ist eine Beleidigung gegenüber allen anderen Leidtragenden.
Was also tun? Bei der Vergabe der EM war die Ukraine kein Staat, der unseren westlichen Vorstellungen von der Relevanz der Menschenrechte entspricht. Trotzdem bekam die Ukraine gemeinsam mit Polen den Zuschlag, niemand hat sich damals darüber beschwert.
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